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ER-5 Einbau Drosselsatz/ Werkstattdrossel



ER-5 Werkstattspecial zur Leistungsreduzierung

Viel Text hier, aber es gibt einiges zu erklären ;-) : Die ER-5 wird in zwei Leistungsvarianten angeboten.

Variante 1: Ungedrosselt (umgangssprachlich "offen"), d.h. 50PS/ab 2004 49PS.
Variante 2: Gedrosselt, d.h. 34 PS, für Neueinsteiger unter 25 Jahre

Bis zum Jahr 2003 wurden ab Werk beide Versionen preisgleich ausgeliefert (siehe auch Modellgeschichte), seit 2004 gibt es ab Werk nur noch die offene Version, wer eine gedrosselte will, zahlt Aufpreis, weil der Händler nun nachrüsten muss. Unabhängig vom Baujahr gibt es zwei Möglichkeiten der Leistungsreduzierung :


Variante 1: Die Werksempfehlung


Um die Funktionsweise dieser Drosselung zu erklären, zuerst ein kleiner Exkurs in die Wirkprinzipien des ER-5-Vergasers: Hierbei handelt es sich um einen so genannten Unterdruckvergaser, d.h. um Vergaser mit Unterdrucksteuerung. Genau genommen wird die Stellung des Gasschiebers durch den vom Motor erzeugten Unterdruck gesteuert. Das funktioniert wie folgt: Oberhalb des Gasschiebers befindet sich ein kleiner hohler Raum, der durch einen Deckel luftdicht nach außen verschlossen ist. Der Raum wird horizontal durch eine Gummimembran getrennt, die fest mit dem Gasschieber verbunden ist. Der Raumteil oberhalb der Membran ist über eine kleine Bohrung im Gasschieber zum Ansaugtrakt hin geöffnet, der Raumteil unterhalb der Membran steht in Kontakt zur Außenluft. Wird nun am Gasgriff gedreht, wird dadurch im Vergaser die zwischen Gasschieber und Zylinder liegende Drosselklappe gedreht und der Vergaserquerschnitt freigegeben. Der durch den Motor erzeugte Unterdruck kann nun bis zum Gasschieber gelangen, der nach wie vor den Ansaugtrakt verschließt. Der Gasschieber besitzt, wie beschrieben, unten eine kleine Bohrung, über die kann der Unterdruck in den über der Membrane gelegenen Raum gelangen. Dadurch wird der Gasschieber nach oben gesaugt und der Ansaugtrakt freigegeben. Die in den Gasschieber eingehängte Nadel gibt die Hauptdüse entsprechend frei und Benzin kann zerstäubt werden. All das geschieht in Bruchteilen von Sekunden und schon gehts vorwärts :-)

Genau in diese Unterdrucksteuerung greift die Drosselung ein: Der Gasschieber erhält eine zweite, 3 mm große Bohrung auf der Luftfilterseite, 10 mm unterhalb der Gummimembran. Deshalb kann sich der Unterdruck nur begrenzt oberhalb des Gasschiebers aufbauen, da immer Luft aus der zweiten Bohrung nachströmt. Im Ergebnis wird der Gasschieber nicht so hoch gesaugt, wie beim 50PS Vergaser. Der Hub beträgt nun nur noch ca. 10 mm. Da die Nadel mit am Gasschieber hängt, wird auch nicht soviel Sprit freigegeben. Damit der Motor insbesondere bei höheren Drehzahlen nicht zu mager läuft, werden also auch größere Hauptdüsen (105er, sonst 102er) und eine andere Nadel (nun 46mm lang, Durchmesser 2 mm) verbaut. Deswegen genehmigt sich die gedrosselte ER gern mal einen Schluck mehr.

Klingt erstmal nicht besonders kompliziert, die ER durch Anbohren des Gasschiebers zu drosseln, dass kann man aber getrost vergessen. Das Zusammenspiel muss perfekt stimmen, d.h. die Lage der Bohrung und die Größe der Bohrung müssen absolut passen. Sonst kommt alles raus, nur nicht 34 PS. Das ist auch der Grund, warum der Drosselsatz auch so teuer ist. Es werden nämlich die kompletten Gasschieber incl. der Gummimembranen und Nadeln ausgetauscht. Und der Einbau kommt auch teuer, weil der Hauptdüsentausch nur bei ausgebauten Vergasern funktioniert. Das ist etwas Bastelarbeit.

Fazit also: Selbst Einbauen eines original Drosselsatzes: Mit guten Schrauberkenntnissen möglich. Selbst Herstellen des Drosselsatzes aus der 50 PS-Variante: Nein. Das geht nach hinten los.

Leichter ist es dagegen, die ER zu entdrosseln. Da muss nämlich die besagte zweite Bohrung (nicht die kleine unten !) nur verschlossen werden. Und zwar sicher und dauerhaft. Am besten mit Flüssigmetall. Bei den GPZlern wurde auch mal mit Verpressen eines Kuperringes in den Schieber gearbeitet (Bild 1-4 Quelle:gpz.info) (Mehr Infos). Die Werkstatt macht das meist durch Einbau der 50-PS-Gasschieber. Genau genommen müssen auch die Hauptdüsen und die Nadel angepasst werden. Die ER fährt aber auch so, läuft halt nur etwas zu fett. Das muss jeder für sich entscheiden. Möglicherweise gibt es hier im Zuge der bald kommenden Abgasuntersuchung für Bikes Probleme.

Grundsätzlich ist diese Drosselvariante durch das Werk optimal abgestimmt. Sie zeichnet sich durch einen harmonischen Drehmomentverlauf aus. Leistungslöcher, wie bei anderen Varianten, gibt es hier nicht. Ursache ist sicher die Gemischzusammensetzung, die unabhängig von der Gasschieberstellung konstant bleibt und der Gasstrom, der unbehindert strömen kann.

Und nochmal zur Erinnerung: Die ER ab Baujahr 04, die nicht mehr ab Werk gedrosselt werden, werden vom Händler umgerüstet. Lasst Euch unbedingt die 50PS Teile mitgeben !! Das spart reichlich Geld, wenn die zwei "harten Jahre" um sind.

Und nun das Letzte: Die ER-5 hat zwei Vergaser, also das Ganze ist zweimal durchzuführen.

Variante 2: Die preiswerte Alternative.


Seit vielen Jahren hat sich bei Motorrädern die Drosselung durch eine Reduzierung des strömungswirksamen Querschnittes des Ansaugkanales als Art der Leistungsreduzierung etabliert. Auch für die ER-5 sind derartige Drosselkits im Angebot. Dazu werden in die vergaserseitige Öffnung des Ansaugkanales Metallscheiben mit einer definierten Bohrung eingelegt. Der Vergaser selbst bleibt, wie er ist, es werden keine Düsen angepasst oder sonstige Änderungen am Vergaser vorgenommen.


Diese Drosselvariante ist preiswerter als die Werksdrosselung (rund 100 Euro, was allerdings angesichts des Materialaufwandes auch ein schlechter Witz ist), man berichtet aber auch von Nachteilen. So sollen insbesondere im oberen Drehzahlbereich, soweit man ihn noch erreicht, der Motor sehr zäh wirken. Weiterhin erhöht sich im Vergleich zur offenen ER der Benzinverbrauch, was aber sicher dem Leistungsmangel bedingten "Mehr am Hahn drehen" geschuldet ist. Man erhält einen derartigen Drosselsatz mit Teile-Gutachten z.B. bei der Firma Alphatechnik.


Wer mal ein Foto vom Einbau hat, kann es gern senden.


Hinweise für die Tüv-Abnahme und die Änderung der Fahrzeugpapiere

Leistungsänderungen müssen grundsätzlich (im Gegensatz zu anderen Änderungen) sofort in den Brief eingetragen werden. Voraussetzung für eine Eintragung in den Brief ist die Abnahme des ordnungsgemäßen Einbaus durch einen zugelassenen Sachverständigen, wie z.B. TÜV oder Dekra.

Es kommt immer helle Freude bei der Prüfstelle auf, wenn ein 18-Jähriger vorfährt und behauptet, er hätte gerade fachgerecht einen Drosselsatz ein- oder ausgebaut. Um den damit verbundenen Komplikationen aus dem Weg zu gehen, gibt es mehrere Möglichkeiten:


  1. das 4-Augengespräch, d.h. einfach mal vorher beim Prüfer vorsprechen und das Anliegen schildern. Dazu im Fall der LeistungsREDUZIERUNG unbedingt das Gutachten, was jedem Drosselsatz beiliegt, mit vorlegen. Oder
  2. eine freundliche Werkstatt suchen, die kurz den Einbau oder Ausbau (z.B. für einen Zehner) abnimmt (Haha, kann man eigentlich von außen gar nicht) und gleich den Tüv mit macht. Auch hier das Gutachten nicht vergessen. Oder
  3. Alles die Werkstatt machen lassen.

Der Prüfer stellt ein sogenanntes Prüfgutachten und eine Bescheinigung zur Änderung der Zulassungspapiere aus, in welchem die Leistungsänderung vermerkt ist (kostet insgesamt so um die 25 Euro). Mit letzterem müsst Ihr zur Zulassungsstelle, dort werden die Fahrzeugpapiere geändert (kostet dann nochmal rund 20 Euro).

Wie das mit den seit 2005 gültigen neuen Papieren ist, weiss ich nicht genau, wahrscheinlich genauso, nur teurer.

Grundsätzlich ist jedoch bei Änderung der Leistung die Betriebserlaubnis eingeschränkt, bis die Abnahme erfolgt ist. Ihr dürft die Maschine lediglich von zuhause zum Prüfer bewegen und das auf direktem Weg. Wenn Ihr das Prüfgutachten und den Ergänzungsschein in der Hand habt, kann zur Zulassungsstelle gefahren werden. Beides ist mitzuführen. Ausnahmen, wie sie für Anbauteile gelten, dass Änderungen erst beim nächsten Besuch der Zulassungsstelle erfolgen können, gelten bei Leistungsänderungen nicht!

Hinweise zur Anpassung der Versicherung.

Hier gibt es kein Pardon, meldet sofort alle Änderungen der Leistung der Versicherung, sonst liefert ihr eine super Vorlage, Euch im Fall des Falles heftig an den Kosten zu beteiligen. Wenn man Glück hat, wird es beim Entdrosseln nicht mal teurer, da die 34 PS Klasse als Einsteigerklasse nicht unbedingt günstig ist. Genauso kann man beim Drosseln eine Überraschung erleben, insofern vorher Preise vergleichen. Jedenfalls ist ein Wechsel der Versicherung aufgrund der Leistungsänderung nicht möglich! Hier muss der reguläre Kündigungstermin abgewartet werden.

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Veröffentlicht am: Mi 16. Mai 2012, 17:11 vom: Talertim
Artikeltyp: Wissen • Zugriffe: 2914 • Bewertung: 5/5 (3 Bewertungen)
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