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Aktuelle Zeit: Mo 22. Okt 2018, 17:06


Ventilschaftdichtungen wechseln



So, nachdem ich einige Tage in mein Moped investieren musste hab ich es nun endlich geschafft und es wird kein Öl mehr verbrannt, der Grund waren hierfür wohl die Ventilschaftdichtungen.
Diese sitzen unter den Ventilfedern im Zylinderkopf und bestehen aus Gummi, das nach längerer Standzeit wie es bei mir der Fall war wohl verhärten und das Öl über die Ventilführungen in den Brennraum gelangen lassen.
Erst einmal Vorweg, diese Arbeiten sollte kein ungeübter Schrauber alleine angehen, außerdem übernehme ich keine Haftung für eventuelle Fehler die unterlaufen können, jeder Schraubt auf seine eigene Verantwortung.

Achtung! Ordnung Halten, Markiert schrauben und Schläuche mit Klebeband und Stift damit ihr euch merken könnt wo sie hingehören.

Was ihr Braucht:
-Neue Zylinderkopfdichtung
-Neue Ventilschaftdichtungen
-Anständiges Werkzeug (Schraubenzieher, Ringschlüssel, Ratschenset)
-Ventilzange oder etwas Improvisiertes um die Ventile zu spannen (unten mehr dazu)
-Ventilschleifpaste (Grob und Fein)
-Ventildrehbömpel (Oder so)
-Fusselfreie Lappen
-Cutter oder Rasierklinge
-Weitere Dichtungen je nach Zustand
-Gummihammer
-Drehmomentschlüssel
-Fühlerlehre
-Zündkerzenschlüssel

Weil ich doch etwas Faul bin werde ich einige Schritte die hier im Forum beschrieben wurden Zitieren und hoffe dafür reißt mir keiner den Kopf ab.

Erste Schritte:

- Kühlerflüssigkeit Ablassen:
Da der Ölsumpf tiefer als der Zylinder liegt kann es bei diesen Arbeiten drin bleiben, das Kühlmittel muss jedoch raus, dazu stellt ihr ein (wenn ihr Die Flüssigkeit nochmal verwenden wollt sauberes) Gefäß unter die Wasserpumpe. Als nächstes löst ihr die Ablassschraube unten an der Wasserpumpe, anschließend öffnet ihr die Kappe auf dem Thermostat und lasst es plätschern.
Danach beides wieder Schließen und weiter geht’s.

- Tank Abnehmen:
Zuerst zieht man die Sitzbank runter. Schraubt die Seitendeckel ab 2x Kreuzschlitz. Dreht die Silberne Schraube raus (SW12). Dann baut man das Batteriefach ab 3x Kreuzschlitz. Das sieht dann wie folgt aus.

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Nun schraubt man den Benzinhahn ab. 2x Inbus. Zieht den dünnen schlauch ab. Und auch den Unteren dickeren der zum Vergaser geht. Dort läuft immer etwas Benzin zurück legt einfach etwas Küchenpapier drunter dan Stinkt ihr nicht alles voll. Nun folgt das Komplizierte an der ganzen schrauberei. Den Benzinhahn zwischen Rahmen und Zylinder druchpfrimeln. Das kann zwar etwas dauern lasst euch aber zeit und drückt nicht allzu stark nicht das der Benzinhahn von ON auf PRI springt dan habt ihr nämlich die Sauerei. Wen das geschaft ist zieht ihr den Tank zur Sitzbank. Und Hebt ihn Vorsichtig an unten ist dan normal der Überlaufschlauch dran mit Filter. Diesen abziehen.

Zitat von „FreddyNightmare“  Drossel einbauen/Tank abbauen 

- Luffi Kasten ausbauen
Baut auch gleich den Luftfilter aus. 3x Kreuzschlitz driekt neben dem Benzinhahn


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So nun sieht es wie folgt aus. Nun bauen wir die Airbox aus. Dazu einfach bei der Tankhalterung die 4 Zylinderschrauben (SW10) Dreht nun diese raus. Öffnet vorne die Schellen zu den Vergasern. Nun könnt ihr die Airbox nach oben hin wegziehen. Schaut auf den Verbleib des kleinen Stutzen unten an der Airbox. Diesen nicht verlieren und nachher schauen das er oben wie unten drinsteckt.

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Zitat von „FreddyNightmare“  Drossel einbauen/Tank abbauen 

Achtung! Achtet darauf dass euch nichts in das Loch unter dem Luftfilterkasten fallen kann, spart Unmengen an Arbeit.

- Vergaser ausbauen
Als nächstes löst ihr die Gaszüge und den Choke-zug, Klebeband drum und nach vorne aus dem weg stecken (Nicht zu stark biegen, alte Bowdenzug-führungen können Risse bekommen)
Sodele nun haben wir es fast geschaft. Nun sehen wir die Vergaser schon von hinten. Nun löst ihr auch die Schellen an den Vergasern zu dem Motorblock.

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Zitat von „FreddyNightmare“  Drossel einbauen/Tank abbauen 
Löst noch die Kühlerschläuche unten rechts und links am Vergaser und Bezeichnet sie entsprechend.
Dann den Vergaser abziehen (Leichtes Kippen nach oben hilft).
Vorsicht: die Schwimmerkammern sind noch randvoll mit Sprit also kippt euch nicht alles drüber, Abluftschlauch knicken oder nach oben legen.
Achtet darauf dass euch nichts in den Motor fällt und schützt kritische Öffnungen gegen Dreck (Gerade Vergaser sind da empfindlich)

- Sekundärluftsystem abnehmen
Dazu steckt ihr einfach das Silberne Runde ding ab, das mit zwei dicken Schläuchen am Zylinderkopfdeckel angebracht ist ab, an der Unterseite ist noch ein dünner schlauch dran, auch der muss ab.

- Thermostatgehäuse abnehmen
Wenn die Zündstecker noch nicht ab tut das und sind legt diese nach vorne, dann löst ihr die beiden kleinen Schrauben an den Rohren die in den Zylinderkopf führen, den Schlauch der vom Einfüllstutzen zum Ausgleichsbehälter führt und die Schelle die den Dicken Schlauch oben Links am Kühler hält (Schlauch abziehen). Am Thermostat sind außerdem zwei Kabel angebracht, beide Lösen und beschriften.
So, jetzt ist Mut gefragt, denn die Rohre in den Zylinderkopf lassen sich oft nicht so einfach herausziehen, also nockelt eine Weile daran herum und zieht, irgendwann habt ihr das teil in der hand, keine Sorge. Wenn ihr das Thermostatgehäuse herausgezogen habt könnt ihr unten an den Rohren die dichtringe prüfen, drückt mal leicht mit dem Fingernagel rein und schaut ob ein Kerbe bleibt, es kann sein, dass sie verhärtet sind und getauscht werden sollten.

- Auspuff abnehmen
Der Auspuff ist mit zwei Schrauben und den Schellen am Zylinderkopf befestigt, löst am besten erst die Schellen (Ratsche mit Verlängerung unter dem Kühler durch, evtl. mit Umlenkstück, Dichtringe können gewechselt werden, bei mir hat´s schon mehrfach mit den alten gut funktionniert), dann die Schraube an der Hinteren Fußraste.
Tipp: Wenn ihr alleine seid hilft es den Endtopf mit einem Expander am Rahmen zu befestigen damit er nicht gleich fällt, ich habe einen Wagenheber auf Rollen darunter gefahren und einen Lappen dazwischen gelegt, damit kann man bei gelösten Schrauben den Auspuff gut absenken und herausziehen.
Dann die Mittlere Schraube lösen (verliert die Gummilager nicht, könnten herausfallen) und den Auspuff leicht nach vorne schieben, dann herausfädeln.
Achtung! Nicht den Kühler beschädigen.

Zylinderkopf Abnehmen:

- Zylinderkopfdeckel abnehmen
Mittlerweile sollte euer Moped in etwa so armselig aussehen wie meines damals:

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Schraubt nun die Zylinderkopfdeckel-schrauben heraus und hebt vorsichtig den Deckel ab, dabei darauf achten dass die Gummidichtung nicht beschädigt wird und dass die Dichtungen der Schrauben (Liegen Oben auf) nicht verloren gehen.
Beides zur Seite legen uuuuund weiter geht´s.

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- Kurbelwelle auf Stellung „C“ drehen
Dreht die beiden Kappen auf der linken Seite des Generatorgehäuses heraus, nehmt eine 14er Stecknuss und eine Ratsche oder ähnliches und dreht die Kurbelwelle im Uhrzeigersinn biss ihr im oberen Fensterchen die Markierung „C“ Mit der kleinen Kerbe fluchtet.

- Ausbau der Kurbelwellen
Als erstes müssen jetzt die beiden Ölleitungen (Kupferrohre gebogen) gelöst und herausgenommen werden. Dazu nehmt ihr die Beiden Befestigungsschrauben der Pipes heraus und zieht die Leitungen Vorsichtig aus der Halterung.
Wie schon Matthew John Chapman in seinem Youtube Video zu diesem Thema, das im Übrigen hier Sehr hilfreich ist, gesagt hat:  "You just give ´em a wiggle" .
Dann sind als nächstes die Hauptlager Kappen dran.

Achtung! Steckt einen Lappen in den Steuerkettenschacht bevor ihr die Kappen abhebt, in den Schraubenführungen stecken Metallhülsen die gerne einmal herausfallen, der Trick hätte mir 2 stunden Angelarbeit erspart.
Tipp: Zeichnet euch auf ein Stück Pappe eine Skizze vom Zylinderkopf, die Kappen sind von A bis H beschriftet, legt sie in dieser Reihenfolge auf ihren passenden Platz in der Skizze. Lagerkappen passen sich mit den Oberflächen mit der Zeit aneinander an und sollten deshalb wieder an ihren ursprünglichen Platz zurück.
Die ersten Schrauben die ihr lösen solltet sind die inneren, welche die Steuerkettenführung halten, dann nehmt ihr die Führung ab und legt sie zur Seite, löst die restlichen Schrauben erst einmal an, nehmt dann die Kappen der Reihe nach ab und legt sie auf eure Skizze. Jetzt zieht ihr die Hülsen vorsichtig mit einer Zange heraus (nicht verbiegen) und verstaut sie irgendwo wo sie nicht verloren gehen.

- Zwischenschritt: Steuerkettenspanner Lösen
Um die Nockenwellen jetzt herausheben zu können muss erst die Steuerkette gelockert werden, dafür baut ihr den Steuerkettenspanner vorne zwischen den Krümmern aus.
Erst wird hier die große mittige schraube gelöst und herausgedreht.
Achtung! Hinter der Schraube steckt eine Feder, die springt gerne heraus, Schraube also vorsichtig abheben und Feder herausnehmen, auch den Metallstift der euch entgegenkommt nicht verlieren, dieser sorgt dafür dass die Feder nicht verknickt.

Jetzt die beiden kleineren Befestigungsschrauben lösen und den Spanner abnehmen, die Papierdichtung dahinter geht dabei eventuell kaputt und muss dann ersetzt werden.

Jetzt sollte die Steuerkette ausreichend gelockert sein um die Nockenwellen herausnehmen zu können.

Achtung! Sichert die Steuerkette mit einem stück Draht oder mit einem Lappen den ihr um den Rahmen knotet so ab, dass sie euch nicht durch den Schacht fallen kann.

nehmt die Nockenwellen heraus, packt diese in Zeitung ein, beschriftet sie mit Ex, In, Rechts, Links, und legt sie beiseite.

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- Abnehmen des Zylinderkopfes
Jetzt Ist das Moped soweit dass ihr den Zylinderkopf lösen könnt.
Löst als erstes die Ölleitungen die vom Starter-motor zum Zylinderkopf gehen (Kupfer Rohre Y), dazu die beiden Schrauben oben herausnehmen, darauf achten dass die beidseitig der Leitung angebrachten Kupferdichtringe nicht verloren gehen, die untere Schraube müsst ihr nur soweit lösen, dass die Rohre oben genug Spiel haben.
Damit ihr die beiden nicht vergesst solltet ihr jetzt als erstes die kleine Schraube an der Hinterseite des Zylinderkopfes zwischen Zylinder und Kopf (Bei der Ölleitung), und dann die kleine Schraube welche sich an der Vorderseite innerhalb des Zylinderkopfes unter der Steuerkettenführung versteckt herausnehmen.

Achtung! Diese Schraube ist mir beim Zusammenbau An der Steuerkettenführung vorbei in das Kurbelgehäuse gefallen, erspart euch den Angelausflug und sichert die Schraube in der Nuss mit irgendwas ab, eventuell kann auch etwas Zeitung durch das Steuerkettenspannerloch die Schraube daran hindern durch zu fallen.

So, jetzt sind die Stehbolzen dran (ich denke 8 Stück Lange Schrauben die bis durch den Zylinder reichen). Diese sind unten trocken und lassen sich recht schwer lösen, etwas Geduld ist gefragt, es ist vermutlich nicht notwendig aber ich habe sie mit dem Buchstaben bei dem sie eingeschraubt waren markiert und sie beim Zusammenbau wieder dort eingesetzt.

Tipp: Spätestens hier ist eine helfende Hand mehr durchaus sinnvoll, da erstens das Herausheben des Zylinderkopfes ein Geduldsspiel, und zweitens das durchführen der Steuerkette ohne sie durch die Zylinder fallen zu lassen mit zwei Händen sehr schwierig ist. Hilfreich ist es außerdem die Kabelbinder um den Kabelbaum am rechten Rahmen zu lösen um diesen etwas aus dem Weg zu bekommen. Wer sein Moped liebt legt noch zwei Lappen über den Rahmen links und rechts des Zylinderkopfes da der Lack schnell mal einen Kratzer abbekommt.

Sind alle Schrauben draußen nehmt einen Gummihammer und klopft von unten mehrfach gegen die Kühllamellen am Zylinderkopf bis ihr merkt dass er sich löst. Jetzt hebt einer vorsichtig den Zylinderkopf zwischen dem Rahmen durch (es ist Millimeterarbeit aber er passt durch) während der andere die Steuerkette unten sichert und durch den Kopf fallen lässt.

Achtung! Die Beschaffenheit der Oberflächen zwischen Zylinder und Kopf ist ein Kritischer Faktor für die Dichtigkeit der ZKD, lasst also am besten erst einmal die alte Dichtung auf dem Kopf um diesen zu schützen (evtl. ankleben mit Klebeband) und legt einen Lappen über den Zylinder während ihr am Kopf arbeitet.

Bearbeitung der Ventile:

- Ausbau der Ventile
Die Ventile werden von zwei kleinen Ventilsicherungskeilen in der Äußeren Ventilfeder gehalten. Lösen kann man diese indem man die Ventilfedern vorspannt und dann die Keile Herausfuzelt, Im Optimalfall liegt dafür eine Ventilzange vor, meistens ist dem denke ich nicht der Fall, wenn ihr vorhabt so etwas öfter zu machen, kauft euch so ein Ding für 20€! Andernfalls muss Improvisiert werden, ich hatte zum Glück eine Standbohrmaschine da, welche mit einem Hebel heruntergedrückt werden, und so arretiert werden konnte. Als Aufsatz habe ich hierfür Eine Art Nuss für Rohrdichtungen beidseitig aufgeflext, der Vorteil, oben passte perfekt eine 14er Schraube rein die ich in der Bohrmaschine arretieren konnte:

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Dann habe ich mit untergelegten Brettern den Kopf so in schräglage gebracht, das das gewünschte Ventil im 90° Winkel zur Bohrfläche stand, darunter einen Korken gelegt und das ganze eingespannt, jetzt nur noch mit einem magnetischen kleinen Schraubenzieher die Keile herausfischen und langsam lösen dann habt ihr das erste Ventil in der Hand.
Wenn Ventile und Ventilfedern draußen sind könnt ihr auch „schon“ die Ventilschaftdichtungen sehen, versucht diese vorsichtig von ihrem Sitz zu nehmen, wenn sie beim ausbau nicht zu stark beschädigt werden geben sie mehr Aufschluss auf ihren eingebauten Zustand ;)

Achtung! Jedes Ventil Passt zu seinem eigenen Sitz, sie sollten nicht vertauscht werden. Ventilkeile können schnell verloren gehen, hier vorsichtig vorgehen.
Tipp: Fertigt euch einen Karton als Schablone an und Steckt die Ventile so hinein, dass ihr euch deren Stellung merken könnt.
Von Vorteil ist es auch die alten Ventilschaftdichtungen direkt zum Ventil zu legen um einen Fehler Lokalisieren zu können.
Mit einem beherzten Hammerschlag auf die Nuss am Ventil können Ventilkeile gelockert werden.


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- Reinigen der Ventile
Um ein Ventil zu reinigen umwickelt das Ende mit ein wenig Kreppband und spannt es in eine Bohrmaschine, diese sollte auf niedriger Umdrehungszahl laufen. Nun werden Rückstände in 3 Schritten entfernt:
Achtung! Die glänzende Auflagefläche an der Oberseite des Ventiltellers darf nicht verkratzt werden, hier wird nicht gereinigt, das findet beim Einschleifen statt. Auch Der Glänzende „stab“ oberhalb des Tellers darf nicht zerkratzt werden, er muss in der Ventilführung problemlos gleiten können
Zu sehen ist das ganz gut in  https://www.youtube.com/watch?v=Sv65KgW3xSw]diesem Video[/anchor" class="anchor" title="Goto https://www.youtube.com/watch?v=Sv65KgW3xSw]diesem Video[/anchor" >.
1: Schlitzschraubenzieher nehmen (Keinen Scharfkantigen) und den Ventilschaft damit erst einmal die gröbsten Rückstände leicht von Teller und Schaft abkratzen (An der unterseite wird jede menge angehen).
2: Die selbe Fläche mit einem 120er Schleifpapier nachgehen bis das ventil glänzt.

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3: Mit einem feinen Schleifpapier (hier 240er) nachschleifen, jetzt sollte es wie neu aussehen.

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Am Ende sollte der Unterschied doch klar su sehen sein :)

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- Einschleifen der Ventile
Soweit so gut, erster Schritt zum Zusammenbau ist das einschleifen der Ventile, dazu gibt es zwei Schleifpasten, einmal grob und einmal fein.
Erst wird die Grobe Schleifpaste auf die Dichtfläche des Ventils gegeben, achtet darauf dass die Ventilführung nichts abbekommt und immer leicht geölt ist, dann nehmt ihr den Saugbömpelstab, setzt ihn am Ventilteller an (hier zeigt sich wie gut gereinigt wurde), setzt das Ventil in die Führung und dreht das Ventil unter leichtem Druck nach unten immer hin und her.

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Es sollte hierbei immer über 360° gedreht werden, wenn es nicht mehr knirscht reicht es meistens die Schleifpaste wieder an die Sitzfläche zu schieben, sonst eben neue drauf. Wenn der Ventilsitz gleichmäßig mattgrau aussieht könnt ihr mit der feinen Schleifpaste weiter machen (Zwischendrin säubern) bis ihr das Gefühl habt dass beide Flächen perfekt aufeinander passen. (dauert ca. 20-30 Minuten pro Ventil)
Wenn alle Ventile eingeschliffen sind reinigt alle penibel von der Schleifpaste, sie ist der Tod für Ventilführungen.

- Prüfen der Dichtigkeit
Hierzu alle Ventile sauber einsetzen, eine alte Zündkerze einschrauben und etwas Benzin in den Kopf Gießen, wenn es aus den einlass/auslass-schächten nur so tropft müsst ihr wohl nochmal ran, dass ein wenig Benzin durch geht ist jedoch normal.
Tipp: Nehmt keine Zündkerze die noch gut ist, die saugt sich mit Benzin voll und ist nachher unbrauchbar.

- Einsetzen der neuen Ventilschaftdichtungen
Öl dran, Plopp, drauf.

- Einsetzen der Ventile
Die Ventilfedern werden mit der enger gewundenen Seite nach unten auf das Ventil gesetzt, der Ventilfederteller oben drauf.
Spannt die Ventilfeder auf demselben Weg wie beim Ausbau vor und fummelt mit viel Geduld die Ventilkeile in die Nabe des Ventils, dann löst das ganze und schaut ob die Keile sauber drin sitzen (Evtl.einmal eindrücken).

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Diese Arbeit sollte eventuell auch zu zweit gemacht werden, es ist nicht so einfach die kleinen Keile genau in ihren Sitz zu bekommen.

Vorbereitung des Zylinderkopfes und des Zylinders:

- Säubern der Oberflächen
Befreit den „Brennraum“ des Zylinderkopfes vorsichtig mit einem Schraubenzieher und etwas Schleifpapier von eventuellen Rückständen.
Nehmt eine neue Cutterklinge oder besser eine Rasierklinge und schabt damit vorsichtig die Dichtfläche des Zylinderkopfes ab bis sie sauber glänzt, danach mit einem Öligen Lappen den Dreck entfernen.

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Das selbe wird nun an der Oberfläche der Zylinder gemacht.

Tipp: Der Vorteil der Rasierklinge liegt in ihrer Flexibilität, man macht sich damit nicht so leicht Kratzer in die Oberfläche wie mit der Cutterklinge, diese ist jedoch völlig ausreichend wenn man ruhige Hände hat.

- Überprüfen der Oberflächen
Hierbei beschränke ich mich auf das einzige Mittel, das wohl jeder zuhause hat, ein Lineal.
Durch auflegen eines Haarlineals kann man kleine Risse oder Schrammen gut gegen das Licht erkennen, auch ein Verzug des Zylinderkopf kann sich somit unter Umständen feststellen lassen.
Restliche Überprüfungen wie Rauhigkeit usw bleiben wohl den KFZ´lern überlassen.
Wenn starke Fehler sichtbar sind muss der Zylinderkopf eventuell in einer Fachwerkstatt abgeschliffen werden.

Montieren des Zylinderkopfes:
Alle Schrauben müssen nun wieder mit dem richtigen Drehmoment angezogen werden! Eine Liste mit den Drehmomenten findet man [anchor=quoted goto=http://er-5.de/knowledge/kb_show.php?id=13]Hier  auf er-5 Wiki oder  Hier  im 500er Forum.

- Einbau der neuen ZKD
Spannt die neue ZKD mit der Markierung „UP“ auf der rechten Seite auf die Hülsen die noch im Zylinder Stecken (bei mir waren sie letztendlich im Zylinderkopf fest, hab das Ganze dann eben andersherum gemacht, aber Vorsicht, so beschädigt man die Dichtung beim Einsetzen leichter). Setzt vorsichtig den Zylinderkopf mit durchgeführter Steuerkette wieder auf und setzt die Stehbolzen ein.
Die stehbolzen sollten nun von innen nach außen mit 39Nm festgezogen werden (B-G-C-F-A-H-D-E).

- Schrauben
Jetzt die beiden kleinen Schrauben einsetzen (Hinten außen und vorne unter der Kettenführung)
Dann Ölleitungen mit Dichtungen wieder verschrauben.

Richtiges Einsetzen der Nockenwellen und der Steuerkette:
Achtung! Die richtige Stellung der Nockenwellen ist Vorraussetzung für das richtige Timimg des Motors, hier darf kein Fehler unterlaufen!
Achtung! Drehen des Motors bei ungespannter Steuerkette kann diese beschädigen weil sie sich verkeilt!
Lager sollten vor dem Einsetzen der Wellen geschmiert werden damit sie nicht anfangs trocken läuft.


- Stellung der Kurbelwelle
Die Kurbelwelle muss weiterhin auf C gedreht werden.

- Einsetzen der Nockenwellen
Zuerst wird die Einlassnockenwelle eingesetzt, arbeitet von der linken Seite des Motorrads, die Nockenwelle muss mit den Beschriftungen EX und IN zu euch zeigend (nach Links) eingesetzt werden.
hängt die Kette so auf das Zahnrad, dass sie gespannt ist (Hintere Seite nach unten in den Steuerkettenschacht gespannt) und die Markierungslinie bei „IN“ mit der Oberfläche des Zylinderkopfes fluchtet. Setzt jetzt die Lagerkappen mit den Pfeilen nach vorne zeigend auf ihre entsprechenden Plätze und fixiert somit die Einlassnockenwelle, vergesst dabei die Hülsen nicht.
setzt jetzt die Auslassnockenwelle ein und legt die Steuerkette so darüber, dass zwischen den kleinen Punkten über den Bezeichnungen „EX“ und „IN“ genau 24 Kettenstifte liegen und die Linie unter „Ex“ beim Festziehen der Nockenwelle mit der Oberfläche des Zylinderkopfes fluchtet.

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Die Nocken sollten jetzt jeweils nach oben und hinten zeigen.

Tipp: Hier ist die Reihenfolge beim Festziehen der Lagerkappen entscheidend, gerade wenn die Nockenwelle wegen den Ventilfedern noch nicht ganz sauber aufliegt sollten die Schrauben langsam abwechselnd nach der im Bild beschriebenen Reihenfolge angezogen werden.
Es sollte regelmäßig kontrolliert werden ob die Nockenwelle noch auf „C“ steht.


Bild

- Einbau Steuerkettenspanner
Sind die Nockenwellen fertig eingebaut kommt der Steuerkettenspanner wieder rein, der Spanner wird mit der eventuell neuen Dichtung in eingefahrenem Zustand eingesetzt, der Pfeil soll nach oben deuten. Der Spanner wird eingefahren indem man das kleine Metallstück über der Ratsche und dann die Ratsche selbst hineindrückt. Jetzt wird er mit den beiden Befestigungsschrauben angeschraubt (11Nm), dann wird die Feder mit dem Splint in der Mitte in den Steuerkettenspanner geführt und mit der großen Schraube verschraubt (13Nm).

- Ventile Einstellen
Nachdem die Ventile neu eingeschliffen wurden sollte nun auch wieder was Ventilspiel eingestellt werden. Das wurde im Er-5 Wiki schon ganz gut beschrieben:
Einstellen: Jetzt mit Ratsche und 14mm Stecknuss die Kurbelwelle im Uhrzeigersinn
Auf OT drehen T-Stellung für linken Zylinder so dass beide Nocken nach
oben zeigen. Jetzt wird das Ventilspiel zwischen Einstellschraube am
Schlepphebel und Ventilschaft gemessen.

Ventilspiel – Sollwert

Einlass...................0,13 - 0,18 mm..................--->führen zum Vergaser
Auslass...................0,18 - 0,23 mm.................--->führen zum Auspuff

Ich nehme immer für den Einlass ein 0,15 mm Blättchen der Fühlerlehre
und für den Auslass ein 0,20 mm Blättchen.

Wenn das Ventilspiel nicht in der Toleranz liegt, dann muss nachgestellt
werden.
Gegenmutter von der Einstellschraube lösen, und mit passendem Schlitz-
schraubendreher auf Sollwert bringen. Gegenmutter anziehen und Spiel
kontrollieren.
Das gleiche so am rechten Zylinder durchführen, nur wird die Kurbelwelle
so gedreht das der OT auf C-Stellung fluchtet und auch hier beide Nocken
nach oben weisen.
Nach dem Einstellen Kurbelwelle mehrmals durchdrehen und Spiel
Nochmals prüfen. Wenn O.K. dann alles wieder in umgekehrter
Reihenfolge zusammenbauen. Dabei ist zu beachten das der Dichtungs-
sitz und die Dichtung selbst (vom Ventildeckel) sauber sind und diese leicht
mit flüssiger Dichtmasse benetzen, und Deckel montieren Befestigungsschrauben
über Kreuz anziehen (12Nm) alle anderen Teile wieder anbauen.
Kühlmittel einfüllen, Motor starten weiter nachfüllen bis der Pegel nicht mehr
sinkt Verschlussdeckel aufschrauben Ausgleichsbehälter auffüllen.
Tank und Verkleidungsteile anbringen.

Ich übernehme hierfür keine Gewähr, jeder schraubt auf seine eigene Verantwortung

Zitat von „pepo“  Ventile einstellen 

Wieder Zusammenbauen:
Bis auf den Steuerkettenspanner wie oben beschrieben kann eigentlich alles wieder so in umgekehrter Reihenfolge zusammengebaut werden wie es auseinander genommen wurde, achtet dabei darauf die gegebenen Drehmomenteeinzuhalten.

vor dem Anbau des Tanks nicht vergessen die Kühlflüssigkeit einzufüllen.

Noch einmal am Ende, ich hafte hier nicht für eventuelle Fehler, ich bin hier auch sicherlich nicht der erfahrenste Schrauber im Forum und freue mich deshalb auch über Verbesserungsvorschläge und konstruktive Kritik.

Viel Glück und Erfolg an die Bastler, dankeschön an die zitierten :prima:
Flo

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Veröffentlicht am: Fr 19. Aug 2016, 17:19 vom: Flo
Geändert am: Sa 20. Aug 2016, 10:20 • vom: Flo
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